Gartenarbeiten im August — Checkliste für die Schweiz
August ist der Monat mit der doppelten Aufgabe: du erntest, was seit Mai gewachsen ist — und säst gleichzeitig schon für Herbst und Winter. Wer diesen zweiten Teil verpasst, hat ab Oktober ein leeres Beet, obwohl noch drei Monate Wachstum drin gewesen wären. Dazu kommt die Hitze: im August entscheidet nicht, ob du giesst, sondern **wie**. Diese Checkliste zeigt dir nach Schweizer Klimazonen, was jetzt dran ist.
📍 Klimazonen-Hinweis für die Schweiz
Richtig giessen — die vier Regeln
Das ist die wichtigste Arbeit des Monats, und die meistgemachten Fehler stecken hier. Die vier Regeln, in dieser Reihenfolge:
1. Morgens, nicht abends
Zwischen 5 und 9 Uhr. Die Pflanze nutzt das Wasser über den Tag, das Laub trocknet ab, und es verdunstet weniger als über Mittag. Abends gegossene Beete bleiben über Nacht feucht — das ist die Einladung für Mehltau, Braunfäule und Schnecken.
2. Selten und durchdringend
Zwei bis drei Gänge pro Woche mit 20 bis 30 Litern pro Quadratmeter insgesamt. Damit erreicht das Wasser 20 bis 30 cm Tiefe und die Wurzeln wachsen nach unten. Wer täglich kurz giesst, erzieht flache Wurzeln — und die verdursten beim ersten Ausfall.
Kontrolle: Finger 10 cm in die Erde. Fühlt es sich dort feucht an, ist noch genug da.
3. An die Basis, nie über das Laub
Nasses Laub ist die Eintrittspforte für Pilze — besonders bei Tomaten, Gurken, Zucchini und Rosen. Giesskanne ohne Brause oder Tropfschlauch direkt auf den Wurzelbereich.
4. Mulchen statt öfter giessen
Fünf bis sieben Zentimeter angetrockneter Rasenschnitt, Stroh oder Laub auf die feuchte Erde. Senkt die Verdunstung deutlich und hält den Boden kühler. Nicht direkt an den Stängel schieben.
Aussaat im August für Herbst und Winter
Der Teil, der am häufigsten vergessen geht. Was du jetzt säst, erntest du von Oktober bis in den Frühling.
Direkt ins Freiland, Anfang bis Mitte August:
- Nüsslisalat (Feldsalat) — der Klassiker für die Winterernte, hält Frost bis −15 °C aus
- Spinat — Herbstsorten, Ernte ab Oktober oder überwintert bis März
- Winterportulak (Postelein) — extrem winterhart, wächst auch bei wenig Licht
- Asiasalate (Mizuna, Pak Choi) — schnell, ab sechs Wochen Ernte
- Rucola, Kresse, Radieschen — vier bis sechs Wochen bis zur Ernte
- Winterrettich und schnelle Herbstrüben — bis Mitte August säen
Der Trick bei Hitze: Salate keimen über 25 °C Bodentemperatur schlecht bis gar nicht. Saatbeet vorher gründlich wässern und bis zum Auflaufen mit Vlies, Brett oder Jutesack schattieren. Ohne das keimt die Hälfte nicht — und man schiebt es auf schlechtes Saatgut.
Ab Ende August kommen dann Wintererbsen, Winterknoblauch und Steckzwiebeln dazu.
Ernte und Einlagerung
Hochsaison. Wichtig ist, dass die Ernte auch haltbar wird.
- Zwiebeln und Knoblauch: wenn das Laub zu zwei Dritteln umgefallen und gelb ist. Bei trockenem Wetter ausgraben, zwei Wochen luftig und schattig nachtrocknen, dann in Zöpfen oder Netzen kühl und dunkel lagern.
- Kartoffeln: zwei bis drei Wochen nach dem Absterben des Krauts. Bei trockener Erde ernten, nicht waschen, im Dunkeln lagern — Licht macht sie grün und giftig.
- Tomaten und Zucchini: regelmässig durchgehen. Jede übersehene Riesenzucchini bremst den Neuansatz.
- Bohnen: alle zwei bis drei Tage pflücken, sonst stellt die Pflanze die Blüte ein.
- Zwetschgen und Beeren: für Vorräte einkochen, dörren oder einfrieren.
- Kräuter: jetzt ist der Ölgehalt am höchsten. Vormittags nach dem Abtrocknen des Taus schneiden.
Erdbeeren pflanzen — das Zeitfenster
Wenn du eine Sache im August machst, dann diese. Das Zeitfenster ist Anfang August bis Mitte September.
Der Grund: die Pflanze braucht noch warme Wochen, um Wurzeln und Blütenanlagen für das nächste Jahr zu bilden. Wer erst im Oktober pflanzt, erntet im Folgejahr deutlich weniger — die Blütenanlagen fehlen dann einfach.
- Abstand 25–30 cm in Reihen mit 60 cm
- Das Herz genau auf Bodenhöhe — zu tief fault es, zu hoch trocknet es aus. Das ist der häufigste Pflanzfehler bei Erdbeeren.
- Nach dem Pflanzen gründlich einwässern, danach gleichmässig feucht halten
- Standort wechseln: nicht dorthin, wo in den letzten drei Jahren Erdbeeren standen
Gehölze, Hecken und Sommerschnitt
Gartenhecken: Form- und Erhaltungsschnitt ist im August üblich, die zweite Vogelbrut ist Ende Juli meist durch. Trotzdem vorher jede Hecke kontrollieren, ob noch ein Nest besetzt ist.
Aufpassen bei Feldhecken: Feldhecken, Ufergehölze und Waldränder sind in der Schweiz über das Natur- und Heimatschutzgesetz und kantonale Bestimmungen geschützt. Stärkere Eingriffe sind dort erst im Winterhalbjahr erlaubt, und die Regeln unterscheiden sich je Kanton und Gemeinde. Vor einem grösseren Eingriff bei der Gemeinde nachfragen.
Sommerschnitt am Obst: Kirschen und Zwetschgen direkt nach der Ernte schneiden — die Wunden verheilen bei warmem Wetter viel besser als im Winter, und das Risiko für Bakterienbrand und Monilia sinkt deutlich. Bei Äpfeln und Birnen jetzt die steil aufrecht wachsenden Wasserschosse entfernen, das bringt Licht an die Früchte und verbessert die Ausfärbung.
Lavendel: nach der Blüte um etwa ein Drittel zurücknehmen, aber nicht ins alte Holz. Details im Lavendel-Porträt.
Rasen im Hochsommer
- Höher mähen: mindestens 5 cm. Längere Halme beschatten den Boden, er trocknet langsamer aus.
- Keinen Stickstoff düngen. Bei Trockenheit verbrennt der Rasen, und weiches Spätsommergewebe geht schlecht in den Winter. Ab Ende August stattdessen einen kaliumbetonten Herbstdünger — Kalium festigt und verbessert die Frosthärte.
- Braun ist nicht tot. Ein ausgetrockneter Rasen geht in Sommerruhe und erholt sich nach dem ersten Regen. Wer ihn durch die Hitze giessen will, braucht dafür mehr Wasser als für das ganze Gemüsebeet.
- Neuanlage: Ende August bis September ist der beste Zeitpunkt im Jahr — warmer Boden, kühlere Luft, mehr Niederschlag.
Schädlinge und Krankheiten im August
Kraut- und Braunfäule an Tomaten
Nach Gewittern der Hauptdruck. Phytophthora infestans braucht Wasser auf dem Blatt — Vorbeugung ist die einzige zuverlässige Massnahme: Regendach, an die Basis giessen, weiter Pflanzabstand, untere Blätter bis 40 cm entfernen. Befallene Blätter mit braunen Flecken und grauem Belag sofort abschneiden und in den Hauskehricht, nicht auf den Kompost. Bei starkem Befall die gesunden grünen Früchte ernten und im Haus nachreifen lassen.
Kirschessigfliege
Drosophila suzukii ist in der Schweiz seit Jahren ein ernstes Problem an Beeren, Zwetschgen und Trauben. Sie legt in gesunde, reifende Früchte. Engmaschige Netze mit maximal 0,8 mm Maschenweite helfen, dazu häufig und vollständig abernten und Fallobst konsequent wegräumen — liegende Früchte sind die Brutstätte.
Mehltau und Wespen
Echter Mehltau an Zucchini, Gurken und Rosen: befallene Blätter entfernen, Bestand auslichten, morgens giessen. Wespen an Fallobst und beim Essen im Freien: Fallobst wegräumen, nicht nach ihnen schlagen. Ab Ende August lässt der Druck nach.
Stauden teilen und Herbst planen
- Bartiris teilen: Juli bis August ist das richtige Fenster. Rhizome flach setzen, sie müssen oben Sonne sehen.
- Frühsommerblüher wie Pfingstrosen und Taglilien lassen sich jetzt teilen und umsetzen.
- Blumenzwiebeln bestellen: Tulpen, Narzissen, Krokus. Gepflanzt wird ab September, aber die guten Sorten sind früh weg. Passend dazu das Krokus-Porträt.
- Gründüngung säen: Auf abgeernteten Beeten Phacelia, Senf oder Buchweizen. Hält den Boden bedeckt, lockert und bringt Nährstoffe.
- Samen ernten: Von samenfesten Sorten jetzt die Fruchtstände abnehmen, trocken und dunkel lagern.
Häufige Fragen
Wie oft und wann sollte man im August giessen?
Selten und durchdringend statt täglich: zwei bis drei Gänge pro Woche mit insgesamt 20–30 l/m². Immer am frühen Morgen zwischen 5 und 9 Uhr, immer an die Basis, nie über das Laub.
Was kann man im August noch säen?
Nüsslisalat, Spinat, Winterportulak, Asiasalate, Rucola, Radieschen und Winterrettich. Bei über 25 °C Bodentemperatur das Saatbeet vorher wässern und bis zum Auflaufen schattieren, sonst keimt die Hälfte nicht.
Darf man im August Hecken schneiden?
Bei Gartenhecken ja — die zweite Vogelbrut ist Ende Juli meist durch, vorher trotzdem auf besetzte Nester prüfen. Bei Feldhecken und Ufergehölzen gelten kantonale Schutzbestimmungen, dort erst im Winterhalbjahr.
Warum den Rasen im August nicht mit Stickstoff düngen?
Bei Trockenheit verbrennt der Rasen, und weiches Spätsommergewebe übersteht den Winter schlecht. Ab Ende August stattdessen kaliumbetonten Herbstdünger — Kalium festigt das Gewebe.
Was tun gegen Braunfäule an Tomaten?
Vorbeugen ist das Einzige, was zuverlässig wirkt: Regendach, an die Basis giessen, Abstand halten, untere Blätter entfernen. Befallenes Laub in den Hauskehricht, nicht auf den Kompost.
Wann pflanzt man Erdbeeren?
Anfang August bis Mitte September. Dann bildet die Pflanze noch Blütenanlagen und trägt im Folgejahr voll. Das Herz muss genau auf Bodenhöhe sitzen.
Komplette Checkliste August
✅ Was jetzt zu tun ist
- ☐ Morgens giessen, 20–30 l/m² pro Woche auf 2–3 Gänge verteilt
- ☐ Beete mulchen (5–7 cm Rasenschnitt oder Stroh)
- ☐ Nüsslisalat, Spinat, Winterportulak, Asiasalate säen — Saatbeet schattieren
- ☐ Erdbeeren pflanzen, Herz auf Bodenhöhe
- ☐ Zwiebeln und Knoblauch ernten und zwei Wochen nachtrocknen
- ☐ Kartoffeln ernten, trocken und dunkel lagern
- ☐ Zucchini und Bohnen alle 2–3 Tage durchpflücken
- ☐ Kirschen und Zwetschgen nach der Ernte schneiden
- ☐ Wasserschosse an Äpfeln und Birnen entfernen
- ☐ Gartenhecken in Form schneiden (Nestkontrolle vorher)
- ☐ Lavendel um ein Drittel zurücknehmen, nicht ins alte Holz
- ☐ Rasen auf mindestens 5 cm mähen, keinen Stickstoff
- ☐ Ab Ende August: kaliumbetonter Herbstdünger auf den Rasen
- ☐ Tomaten auf Braunfäule kontrollieren, befallenes Laub entsorgen
- ☐ Fallobst wegräumen (Kirschessigfliege, Wespen)
- ☐ Bartiris und Pfingstrosen teilen
- ☐ Blumenzwiebeln für den Herbst bestellen
- ☐ Gründüngung auf abgeernteten Beeten säen
- ☐ Samen von samenfesten Sorten ernten und trocken lagern
- ☐ In Höhenlagen: Vlies für den ersten Frost bereitlegen
Fazit: August ist Ernte und Aussaat gleichzeitig
Der Fehler im August ist nicht Faulheit, sondern Einseitigkeit: alle ernten, kaum jemand sät. Wenn du in diesem Monat zwei Dinge machst — richtig giessen und Herbstgemüse säen — hast du im Oktober volle Beete, während bei den Nachbarn abgeräumt ist. Und die Erdbeeren, die du jetzt setzt, entscheiden über deine Ernte im nächsten Juni.
Weiter im Jahreslauf: Gartenarbeiten im April. Passende Pflanzen findest du in den Pflanzenporträts oder über den Pflanzplaner.
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