Gartenarbeiten im August — Checkliste für die Schweiz

👤 Ivan Bittel, Kundengärtner 📅 29. Juli 2026 ⏱ ca. 11 Min. Lesezeit 🏷 Saison · Ernte · Bewässerung

August ist der Monat mit der doppelten Aufgabe: du erntest, was seit Mai gewachsen ist — und säst gleichzeitig schon für Herbst und Winter. Wer diesen zweiten Teil verpasst, hat ab Oktober ein leeres Beet, obwohl noch drei Monate Wachstum drin gewesen wären. Dazu kommt die Hitze: im August entscheidet nicht, ob du giesst, sondern **wie**. Diese Checkliste zeigt dir nach Schweizer Klimazonen, was jetzt dran ist.

📍 Klimazonen-Hinweis für die Schweiz

Wallis / Genferseeregion Heisseste und trockenste Zone. Bewässerung ist die Hauptarbeit. Aussaat für den Herbst geht bis Ende August.
Mittelland (bis 600 m) Ernte und Herbstaussaat parallel. Gewitter bringen Braunfäule-Druck — Tomaten überdachen.
Voralpen / Jura (600–1000 m) Erste kühle Nächte ab Mitte August. Herbstaussaat bis spätestens Mitte August, danach wird es knapp.
Alpen (über 1000 m) Erntemonat. Erster Frost ab Ende August möglich — Vlies bereithalten. Neue Aussaat lohnt kaum noch.

Richtig giessen — die vier Regeln

Das ist die wichtigste Arbeit des Monats, und die meistgemachten Fehler stecken hier. Die vier Regeln, in dieser Reihenfolge:

1. Morgens, nicht abends

Zwischen 5 und 9 Uhr. Die Pflanze nutzt das Wasser über den Tag, das Laub trocknet ab, und es verdunstet weniger als über Mittag. Abends gegossene Beete bleiben über Nacht feucht — das ist die Einladung für Mehltau, Braunfäule und Schnecken.

2. Selten und durchdringend

Zwei bis drei Gänge pro Woche mit 20 bis 30 Litern pro Quadratmeter insgesamt. Damit erreicht das Wasser 20 bis 30 cm Tiefe und die Wurzeln wachsen nach unten. Wer täglich kurz giesst, erzieht flache Wurzeln — und die verdursten beim ersten Ausfall.

Kontrolle: Finger 10 cm in die Erde. Fühlt es sich dort feucht an, ist noch genug da.

3. An die Basis, nie über das Laub

Nasses Laub ist die Eintrittspforte für Pilze — besonders bei Tomaten, Gurken, Zucchini und Rosen. Giesskanne ohne Brause oder Tropfschlauch direkt auf den Wurzelbereich.

4. Mulchen statt öfter giessen

Fünf bis sieben Zentimeter angetrockneter Rasenschnitt, Stroh oder Laub auf die feuchte Erde. Senkt die Verdunstung deutlich und hält den Boden kühler. Nicht direkt an den Stängel schieben.

Aussaat im August für Herbst und Winter

Der Teil, der am häufigsten vergessen geht. Was du jetzt säst, erntest du von Oktober bis in den Frühling.

Direkt ins Freiland, Anfang bis Mitte August:

Der Trick bei Hitze: Salate keimen über 25 °C Bodentemperatur schlecht bis gar nicht. Saatbeet vorher gründlich wässern und bis zum Auflaufen mit Vlies, Brett oder Jutesack schattieren. Ohne das keimt die Hälfte nicht — und man schiebt es auf schlechtes Saatgut.

Ab Ende August kommen dann Wintererbsen, Winterknoblauch und Steckzwiebeln dazu.

Ernte und Einlagerung

Hochsaison. Wichtig ist, dass die Ernte auch haltbar wird.

Erdbeeren pflanzen — das Zeitfenster

Wenn du eine Sache im August machst, dann diese. Das Zeitfenster ist Anfang August bis Mitte September.

Der Grund: die Pflanze braucht noch warme Wochen, um Wurzeln und Blütenanlagen für das nächste Jahr zu bilden. Wer erst im Oktober pflanzt, erntet im Folgejahr deutlich weniger — die Blütenanlagen fehlen dann einfach.

Gehölze, Hecken und Sommerschnitt

Gartenhecken: Form- und Erhaltungsschnitt ist im August üblich, die zweite Vogelbrut ist Ende Juli meist durch. Trotzdem vorher jede Hecke kontrollieren, ob noch ein Nest besetzt ist.

Aufpassen bei Feldhecken: Feldhecken, Ufergehölze und Waldränder sind in der Schweiz über das Natur- und Heimatschutzgesetz und kantonale Bestimmungen geschützt. Stärkere Eingriffe sind dort erst im Winterhalbjahr erlaubt, und die Regeln unterscheiden sich je Kanton und Gemeinde. Vor einem grösseren Eingriff bei der Gemeinde nachfragen.

Sommerschnitt am Obst: Kirschen und Zwetschgen direkt nach der Ernte schneiden — die Wunden verheilen bei warmem Wetter viel besser als im Winter, und das Risiko für Bakterienbrand und Monilia sinkt deutlich. Bei Äpfeln und Birnen jetzt die steil aufrecht wachsenden Wasserschosse entfernen, das bringt Licht an die Früchte und verbessert die Ausfärbung.

Lavendel: nach der Blüte um etwa ein Drittel zurücknehmen, aber nicht ins alte Holz. Details im Lavendel-Porträt.

Rasen im Hochsommer

Schädlinge und Krankheiten im August

Kraut- und Braunfäule an Tomaten

Nach Gewittern der Hauptdruck. Phytophthora infestans braucht Wasser auf dem Blatt — Vorbeugung ist die einzige zuverlässige Massnahme: Regendach, an die Basis giessen, weiter Pflanzabstand, untere Blätter bis 40 cm entfernen. Befallene Blätter mit braunen Flecken und grauem Belag sofort abschneiden und in den Hauskehricht, nicht auf den Kompost. Bei starkem Befall die gesunden grünen Früchte ernten und im Haus nachreifen lassen.

Kirschessigfliege

Drosophila suzukii ist in der Schweiz seit Jahren ein ernstes Problem an Beeren, Zwetschgen und Trauben. Sie legt in gesunde, reifende Früchte. Engmaschige Netze mit maximal 0,8 mm Maschenweite helfen, dazu häufig und vollständig abernten und Fallobst konsequent wegräumen — liegende Früchte sind die Brutstätte.

Mehltau und Wespen

Echter Mehltau an Zucchini, Gurken und Rosen: befallene Blätter entfernen, Bestand auslichten, morgens giessen. Wespen an Fallobst und beim Essen im Freien: Fallobst wegräumen, nicht nach ihnen schlagen. Ab Ende August lässt der Druck nach.

Stauden teilen und Herbst planen

Häufige Fragen

Wie oft und wann sollte man im August giessen?

Selten und durchdringend statt täglich: zwei bis drei Gänge pro Woche mit insgesamt 20–30 l/m². Immer am frühen Morgen zwischen 5 und 9 Uhr, immer an die Basis, nie über das Laub.

Was kann man im August noch säen?

Nüsslisalat, Spinat, Winterportulak, Asiasalate, Rucola, Radieschen und Winterrettich. Bei über 25 °C Bodentemperatur das Saatbeet vorher wässern und bis zum Auflaufen schattieren, sonst keimt die Hälfte nicht.

Darf man im August Hecken schneiden?

Bei Gartenhecken ja — die zweite Vogelbrut ist Ende Juli meist durch, vorher trotzdem auf besetzte Nester prüfen. Bei Feldhecken und Ufergehölzen gelten kantonale Schutzbestimmungen, dort erst im Winterhalbjahr.

Warum den Rasen im August nicht mit Stickstoff düngen?

Bei Trockenheit verbrennt der Rasen, und weiches Spätsommergewebe übersteht den Winter schlecht. Ab Ende August stattdessen kaliumbetonten Herbstdünger — Kalium festigt das Gewebe.

Was tun gegen Braunfäule an Tomaten?

Vorbeugen ist das Einzige, was zuverlässig wirkt: Regendach, an die Basis giessen, Abstand halten, untere Blätter entfernen. Befallenes Laub in den Hauskehricht, nicht auf den Kompost.

Wann pflanzt man Erdbeeren?

Anfang August bis Mitte September. Dann bildet die Pflanze noch Blütenanlagen und trägt im Folgejahr voll. Das Herz muss genau auf Bodenhöhe sitzen.

Komplette Checkliste August

✅ Was jetzt zu tun ist

Fazit: August ist Ernte und Aussaat gleichzeitig

Der Fehler im August ist nicht Faulheit, sondern Einseitigkeit: alle ernten, kaum jemand sät. Wenn du in diesem Monat zwei Dinge machst — richtig giessen und Herbstgemüse säen — hast du im Oktober volle Beete, während bei den Nachbarn abgeräumt ist. Und die Erdbeeren, die du jetzt setzt, entscheiden über deine Ernte im nächsten Juni.

Weiter im Jahreslauf: Gartenarbeiten im April. Passende Pflanzen findest du in den Pflanzenporträts oder über den Pflanzplaner.

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