Margerite (Leucanthemum vulgare)

👤 Ivan Bittel, Kundengärtner 📅 28. Juli 2026 ⏱ ca. 7 Min. Lesezeit 🏷 Wildstaude · Insektenweide · Magerwiese
Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare) mit Wiesensalbei in einer Walliser Blumenwiese
Wiesen-Margerite mit Wiesensalbei — eigene Aufnahme aus einer Magerwiese im Wallis, Juli 2026.

Die Margerite ist die Blume, die jedes Kind zeichnet: weisser Kranz, gelbe Mitte, langer Stiel. Genau deshalb wird sie im Garten unterschätzt. Sie ist eine einheimische Wildstaude, die auf magerem Boden jahrzehntelang durchhält, im Juni ein ganzes Beet zum Leuchten bringt und dabei Dutzende Insektenarten füttert. Nur eines verzeiht sie nicht — und ausgerechnet das tun ihr die meisten Gärtner an: gut gemeinte Düngung.

📋 Steckbrief: Margerite

Botanischer NameLeucanthemum vulgare Lam.
FamilieKorbblütler (Asteraceae)
WuchsAusdauernde Staude, kurze Ausläufer
BlütenfarbeWeiss mit gelber Mitte
BlütezeitMai – Juli, nach Rückschnitt bis September
Wuchshöhe30 – 80 cm
LichtbedarfSonnig bis leicht halbschattig
BodenMager, durchlässig, kalkverträglich
WasserbedarfGering bis mässig
WinterhartJa, heimisch und voll frosthart
NutzenInsektenweide, Schnittblume, Knospen essbar
Giftig für HaustiereUngiftig

Warum die Margerite in deinen Garten gehört

Das Foto oben habe ich im Juli in einer Magerwiese oberhalb von Visp gemacht — Margerite neben Wiesensalbei, dazwischen Hornklee. Das ist kein angelegtes Beet, das wächst so. Und genau das ist der Punkt: diese Pflanze will nichts von dir.

Das Problem: Du willst eine naturnahe Ecke, die von selbst funktioniert — aber die Wildblumenmischung aus dem Baumarkt ist nach zwei Jahren verschwunden.

Die Lösung: Eine heimische Staude, die auf magerem Boden ausdauert statt aufzugeben. Sie sät sich selbst aus, wandert langsam und bildet über Jahre einen stabilen Bestand — vorausgesetzt, der Boden bleibt arm.

Was für sie spricht:

Standort & Boden — hier entscheidet sich alles

Die Margerite ist eine Magerkeitsanzeigerin. In der Landwirtschaft liest man an ihr ab, dass eine Wiese nährstoffarm ist. Verschwindet sie, wurde gedüngt.

Für den Garten heisst das genau das Gegenteil von dem, was man normalerweise tut:

Pflanzabstand 30–40 cm. Sie wirkt in Gruppen von fünf oder mehr, einzelne Pflanzen gehen im Beet unter.

Der ehrliche Hinweis: Dünger bringt sie um

Das ist der Fehler, den ich bei Kunden am häufigsten sehe. Die Margerite wird gepflanzt, blüht ein Jahr prächtig — und ist nach zwei Jahren weg. Nicht vertrocknet, nicht erfroren: überwachsen.

Der Ablauf: Der Boden ist nährstoffreich, oder es wird gedüngt. Davon profitieren nicht die Margeriten, sondern Gräser, Brennnessel, Löwenzahn und Giersch. Die wachsen schneller, werden höher, nehmen das Licht — und die Margerite verhungert im Schatten.

Sie ist keine Kämpferin. Ihre Strategie ist, dort zu wachsen, wo die Konkurrenz nicht kann. Nimm ihr diesen Vorteil, und sie verliert.

Was du dagegen tust:

Der Profi-Trick: die zweite Blüte

Die meisten lassen die Margerite nach der Blüte im Juli einfach stehen. Dann vergilbt sie, wird unansehnlich und das war die Saison.

Schneide sie stattdessen direkt nach der Hauptblüte auf etwa 10 cm zurück — komplett, auch das Laub. Sie treibt aus der Basis frisch durch, bildet einen sauberen grünen Horst und blüht in vielen Jahren im August und September ein zweites Mal. Nicht so üppig wie im Juni, aber gerade dann, wenn im Beet wenig läuft.

Nebeneffekt: Der Rückschnitt verhindert, dass sie sich unkontrolliert aussät. Willst du umgekehrt, dass sie sich ausbreitet, lass ein paar Stängel bis zur Samenreife stehen.

Pflege im Jahreslauf

Frühling (März–April): Alte Blattreste abräumen. Nicht düngen. Wenn du teilen willst: jetzt, Spaten durch den Horst, äussere Stücke neu setzen.

Sommer (Juni–Juli): Hauptblüte. Verblühtes ausputzen für längere Blüte, oder gleich der Rückschnitt auf 10 cm (siehe oben). Bewässern nur bei anhaltender Dürre.

Herbst (September): Zweiter Schnitt, Schnittgut abtragen. Falls du Samen willst, einzelne Fruchtstände stehen lassen.

Winter: Nichts. Sie ist heimisch und braucht keinen Schutz.

Nicht verwechseln: drei ähnliche Weisse

„Margerite" wird für mehrere Pflanzen benutzt. Für den Kauf ist der Unterschied wichtig:

Angaben zur Verbreitung in der Schweiz findest du bei Info Flora.

Häufige Fragen

Warum sind meine Margeriten nach zwei Jahren verschwunden?

Fast immer zu nährstoffreicher Boden. Gräser und Kräuter wachsen dann schneller und nehmen ihr das Licht. Nicht düngen und das Mähgut konsequent abtragen — dann bleibt sie.

Wann und wie sät man Margeriten aus?

Am besten im Spätsommer, August bis September, oder im Frühjahr. Sie ist Lichtkeimer: Samen nur andrücken, nicht mit Erde bedecken. Der Boden muss offen und mager sein — in dichten Rasen keimt sie nicht.

Blüht sie wirklich zweimal?

Nicht garantiert, aber häufig. Voraussetzung ist der Rückschnitt auf etwa 10 cm direkt nach der Hauptblüte. Ohne Schnitt kommt keine zweite Blüte.

Ist die Margerite essbar?

Die geschlossenen Blütenknospen kann man wie Kapern einlegen, junge Blätter passen in Salate. Der Geschmack ist kräftig-würzig. Sammle nur, was du sicher bestimmt hast, und nicht an Strassenrändern.

Wuchert sie im Beet?

Sie bildet kurze Ausläufer und sät sich aus, bleibt aber gut beherrschbar — deutlich zahmer als die Schafgarbe. Wer die Aussaat bremsen will, schneidet vor der Samenreife.

Ist sie giftig für Hund und Katze?

Nein, sie gilt als ungiftig. Grosse Mengen sollte kein Tier fressen, als Gartenpflanze ist sie unbedenklich.

Fazit

Die Margerite ist die einfachste Wildstaude, die du haben kannst — solange du ihr nichts Gutes tun willst. Kein Dünger, magerer Boden, Mähgut abtragen, nach der Blüte tief zurückschneiden. Dafür bekommst du eine einheimische Pflanze, die Jahrzehnte hält, Dutzende Insektenarten füttert und im Juni aussieht wie der Sommer selbst.

Passende Begleiter findest du über den Pflanzplaner oder in den weiteren Pflanzenporträts. Für ein trockenes, sonniges Beet passt auch der Steppensalbei.

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